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Scheibenweise Landestypisches

Welche Scheibe lässt dich als erstes an Italien denken? Wir vermuten: Pizza. Wir halten dagegen: Fenster. Dass Italien architektonisch ebenso viel zu bieten hat, wie kulinarisch, zeigen wir dir heute im dritten Teil unserer Serie über landestypische Baustile und Bauarten. Wer kein Kostverächter ist, liest weiter. Welche Bedeutung haben Fenster in der Architektur- und Kulturgeschichte Italiens? Welche Aspekte daraus sind bis heute erhalten geblieben? Wir sehen es uns an. Benvenuto!

(Bau-)Kultur als Exportgut

Als Land der römischen Hochkultur hat das heutige Italien vom Mittelmeer aus seit jeher Kunstgeschichte und Architektur nachhaltig geprägt. Nicht ohne Grund ist Kultur bis heute einer der Hauptexportartikel Italiens.

Einer jener Hauptexportartikel in architektonischer Hinsicht ist beispielsweise das sogenannte Diokletian-Fenster (oder: Thermenfenster). Diese großen, dreigeteilten Fassadenöffnungen hatten in der Römerzeit – namensgebend war der römische Kaiser Diokletian – die Funktion in Thermen und Badehäusern für den Austausch zwischen feuchter Innenraumluft und trockenerer Außenluft zu sorgen. Eine Bauweise, die bis heute noch Verwendung findet. Die charakteristischen drei Fensterscheiben, geteilt durch zwei Pfostensegmente, erfuhren in der Bauepoche des Neoklassizismus eine Renaissance und zierten etwa auch den Bahnhof Penn Station in New York. Auch in vielen anderen Städten sind die halbrunden Diokletian-Fenster noch zu sehen. Ein weiteres Exportgut italienischer Fenster-Tradition sind Klapp- oder Stellläden in den unterschiedlichsten Farbvarianten, auch Persiana genannt. Die aus Holz gefertigten Fensterläden bestehen aus beweglichen Lamellen oder ausstellbaren Ladenteilen, die durch die Öffnungen Luftbewegung zulassen und gleichzeitig Schatten spenden.

Italienische Fenster-Tradition bunte Klapp-oder Stellläden

Die italienische Fensterarchitektur

Werfen wir einen Blick auf Städte, deren Architektur bis heute eine magnetische Anziehung auf Touristen aus aller Welt haben. Florenz beispielsweise, das mit seinen bis ins Spätmittelalter zurückreichenden Bauten als die Wiege der Renaissance gilt. Typisch für diese Epoche waren Rechteckfenster, die einzeln oder paarweise eingebaut und mit einem Bogen miteinander verbunden wurden. Neben den traditionellen dreieckigen oder halbrunden Giebeln oberhalb des Fensters, dienten auch Säulen sowie Ornamentik, Malereien und Bildhauerarbeiten als Gestaltungselemente.

Obwohl man in praktisch jeder Stadt Italiens architektonische Schätze bewundern kann, sei Rom als besonderes Beispiel für die Fülle an baulichen Landmarken erwähnt. Mit einem besonderen Kniff in der Kunstgeschichte gelang es, den erhellenden und raumöffnenden Effekt von Fenstern in geschlossene Räume zu holen.

Italien Rechteckfenster mit halbrunden GiebelnItalien Renaissance Rechteckfenster

Perspektivische Täuschungen als künstlerische Finesse

Wo früher nur sehr schwer oder gar keine komplizierten Fensterkonstruktionen möglich waren, bedienten sich die alten Meister der Malerei – Leonardo da Vinci, Caravaggio, Michelangelo & Co. – einer optischen Täuschung, um Räume perspektivisch zu öffnen: Dem Trompe l’oeil. Aus dem Französischen übersetzt bedeutet das so viel wie „Täusche das Auge“. Was damit gemeint ist? Aufgemalte Fenster, die in ihrer Realitätsnähe gesamten Innenräumen die Illusion echter Fenster vorspielen. Als Beispiel hierfür kann man die Sixtinische Kapelle nennen, in der diese dem Fluchtpunkt folgenden Augentäuschungen als Deckenfresken von Michelangelo kunstvoll zur Vollendung kamen und die Besucher bis heute in Staunen versetzen.

Ein Blick in die Moderne

Was Fenster in Italien alles können müssen? Im Wesentlichen: Im Süden der Hitze standhalten und in den nördlicheren Regionen dem alpinen Klima. Auf viele verschiedene Arten wird hier regional typisch improvisiert – was den betreffenden Landesteilen auch ihr traditionelles Flair verleiht. Man denke etwa an die hohen Fenster mit französischen Balkonen in den engen Gassen von Neapel oder die charakteristischen grünen Fensterläden in Venedig.

Italien Fenster mit französischen Balkon

BELLA ITALIA – ein Land mit vielen Finessen und Unterschieden. Nicht nur am Klima, der Geografie oder Vegetation zu erkennen – auch die Fensterarchitektur glänzt durch ihre Vielfalt und Liebe zum Detail.

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